Monday, August 13, 2012

Revolutionen und Paradigmenwechsel

In der Vergangenheit gab es bereits eine Reihe von geistigen, technischen und wissenschaftlichen Revolutionen und Paradigmenwechseln, die jeweils wesentlich zur Entwicklung der Menschheit beigetragen haben.


Vor ca. 1,5 Millionen Jahren erfand der Homo Ergaster (ein Vorfahre des heutigen Homo Sapiens) durch die erlernte "Beherrschung des Feuers" das "Grillen". Das Braten des Fleisches entspricht einer Art Vorverdauung, sodass durch geringeren Aufwand für Kauen und Verdauen des ursprünglich rohen Fleisches eine ca. 16-fach höhere Energieausbeute erreicht werden konnte.

Die "Neolithische Revolution" ca. 15.000 v. Chr. markiert den Übergang vom Jäger- und Sammlertum zu Ackerbau und Viehzucht.


Die „Kopernikanische Revolution" ersetzte anfang der Neuzeit das Geozentrische Weltbild des Ptolemäus durch das von Nicolaus Copernicus 1543 in seinem Hauptwerk "De Revolutionibus Orbium Coelestium" (Über die Umschwünge der himmlischen Kreise) beschriebene Heliozentrische Weltbild, gemäß dem sich die Erde um die eigene Achse dreht und zudem wie die anderen Planeten um die Sonne bewegt.
Inzwischen gilt als gesichert, dass Kopernikus durch die heliozentrische Theorie des antiken Astronomen Aristarchos von Samos entscheidend angeregt wurde. Das von Kopernikus vertretene heliozentrische Weltbild wurde dann von Johannes Kepler verfestigt, indem er berechnete, dass die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne ziehen.


Die "Landwirtschaftliche Revolution" (Agrarrevolution) bezeichnet die Modernisierung der agrarwirtschaftlichen Verhältnisse und die damit verbundenen Produktivitätssteigerungen.
Zurückzuführen war diese Entwicklung auf den vorangegangenen Strukturwandel in der britischen und niederländischen Landwirtschaft. Um 1660 fanden sich die großen landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in den Händen einiger weniger Großgrundbesitzer, welche ihre Besitztümer im großen Stil an sogenannte „Farmer“ verpachteten.
Die Farmer widerum waren aufgrund ihrer Abhängigkeit zunehmend gezwungen und zugleich bestrebt, nach aller Möglichkeit ertragreich, effektiv und produktiv zu wirtschaften. Daher waren sie auch an technischen Neuerungen interessiert, woraus eine tatsächliche Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität resultierte.
Diese Leistungssteigerungen wurden mitunter auch durch das Aufstreben der Landwirtschaft zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin begünstigt. Eine ähnliche Entwicklung setzte etwas später auf dem Europäischen Kontinent ein.
Durch das daraus resultierende Freiwerden von Arbeitskräften auf dem Land, die verarmten (Pauperismus) und in die Städte umzogen und damit den Urbanisierungsprozess einleiteten, bildete die landwirtschaftliche Revolution des 19. Jahrhunderts gleichzeitig auch Grundlage, Voraussetzung und fördernden Faktor für den nachfolgenden Industrialisierungsprozess.


Die "Darwinsche Revolution" stellte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der modernen Biologie dar, da sie eine streng naturwissenschaftliche Erklärung für die Diversität des Lebens bot und somit der Mensch seine Sonderstellung in der Natur verlor. Charles Robert Darwin leistete mit seinem 1859 erschienen Hauptwerk "On the Origin of Species" (Über die Entstehung der Arten) einen entscheidenden Beitrag zur Evolutionstheorie.


Die "Industrielle Revolution" (Industrialisierung) führte zur tiefgreifenden und dauerhaften Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen und Lebensumstände. Sie begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und verstärkte sich im 19. Jahrhundert, zunächst in England, dann in ganz Westeuropa und den USA. Seit dem späten 19. Jahrhundert hat die Industrialisierung auch in Japan und weiteren Teilen Europas und Asiens zum Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft geführt.

Es kam zu einer stark beschleunigten Entwicklung von Technik, Produktivität und Wissenschaften, die von einer starken Bevölkerungszunahme begleitet wurden.

Der technische Kerngehalt der Industriellen Revolution lässt sich im wesentlichen in drei Prozessen zusammen:
1. die Mechanisierung von Handarbeit durch Maschinen (erste Beispiele waren Spinnmaschinen und mechanische Webstühle)
2. die mechanische Energieerzeugung und Energieumwandlung (vor allem durch die Dampfmaschine zur Erzeugung von Antriebskraft)
3. die massenhafte Verwendung der mineralischen Grundstoffe Kohle und Eisen

Als Folge mechanisierter und gewerblicher Produktion stieg die Nachfrage nach Brennstoffen und mit dem Aufschwung des Handels nahm auch der Transport- und Verkehrsbedarf zu. Kanäle und Schienenwege wurden daher ebenso zu Kennzeichen der frühindustriellen Entwicklung wie Lokomotiven und Schiffe mit Dampfmaschinenantrieb.

Die strukturell bedingte, längerfristige Armut weiter Teile der Bevölkerung (Pauperismus) verlagerte sich zum Teil vom Lande in die Städte, ohne dass hier hinreichende Wohnunterkünfte vorhanden waren. In den entstehenden Fabriken, für die Arbeitskräfte gebraucht wurden, konzentrierte sich ein Lohnarbeiterproletariat.
So standen sich schließlich die beiden beteiligten Gesellschaftklassen der kapitalistischen Unternehmer und der lohnabhängigen Proletarier gegenüber. Daraus ergab sich die Soziale Frage als ein gesellschaftspolitisches Kernproblem, verbunden mit wiederkehrenden Arbeiterunruhen und Bemühungen von Sozialreformern, die akute Not zu lindern und deren Ursachen zu bekämpfen.


Die "Zweite industrielle Revolution" bezeichnet eine zweite Phase der Industrialisierung mit dem Aufstieg der chemischen Industrie und der Elektrotechnik und dem Übergang zur Massenproduktion sowie zu neuen industriellen Organisationsformen (Fordismus, Taylorismus) insbesondere seit den 1920er Jahren.


Die "Digitale Revolution" (elektronische Revolution) ab etwa 1980 bezeichnet den durch Digitalisierung und Computer (Mikrochip) ausgelösten Umbruch, der einen Wandel sowohl der Technik als auch (fast) aller Lebensbereiche bewirkt hat. Etwa im Jahr 2002 war es das erste Mal möglich, mehr Informationen digital als im Analogformat zu speichern, was deshalb als der Beginn des „Digitalen Zeitalters“ gesehen werden kann. Die Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsprozessen hat zu einer Informationsexplosion geführt. Während durch die industrielle Revolution die Muskelkraft durch die Dampfmaschine ersetzt wurde, wird durch die digitale Revolution die Denkleistung des Menschen (IQ) durch die Künstliche Intelligenz einer Maschine ersetzt.


Nachdem es bereits eine Reihe von Revolutionen und Paradigmenwechsel in der Vergangenheit gegeben hat, welche die Welt nachhaltig verändert haben, scheint es praktisch außer Frage zu stehen, dass eine nächste Revolution kommen wird. Vielleicht handelt es sich dabei dann um eine "Spirituelle Revolution".

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